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Eckdaten unseres Reisemobils

  • Mercedes Benz T1 – 210d
  • Baujahr 1992
  • 2,8l Turbodiesel (Turbolader nachgerüstet) – ca. 100PS
  • Sperrdifferenzial an der Hinterachse

Wie wir zu „dem Dicken“ kamen

Seit einer Weile wohnte ich in meiner eigenen WG in der Küche um das Geld für einen Bus zusammen zu sparen. Ihr müsst wissen, besagte Küche war ungefähr 12qm groß, dazu noch schlecht geschnitten, meine 80cm Matratze quetschte sich zwischen Küchenregal, Waschmaschine und Tisch. Um den Balkon zu erreichen musste man über mein Bett steigen. Da auch die anderen WG-Mitbewohner die Küche natürlich nutzen mussten und wollten, beschränkte sich mein Wirkungskreis also wenn ich zuhause war auf meine Matratze. Dort löste ich Uni-Aufgaben, sah Filme, empfing Freunde, schlief und wohnte vor mich hin.

Tim behauptete immer ich „suche nach der eierlegenden Wollmilchsau“, wenn ich mit ihm über die Bussuche sprach. Ich hatte nur ein relativ kleines Budget, wollte dafür aber einen Bus ohne Plastikausbau, mit Hochdach, Tüv, Schiebetür, Wasserversorgung, Heizung, Herd und Kühlschrank. Ein Differential sollte er wenn möglich haben, nicht zu untermotorisiert, nicht zu verrostet sollte er sein und ein wenig alter Scharme wäre natürlich auch noch toll.

Nach 4 Monaten des Sparens und auf der Suche nach einem geeigneten Bus, beschloss ich im Februar nun einfach einmal durch ganz Deutschland zu fahren um mir ein paar Busse anzusehen. Ein richtiges Sahnestück war noch nicht dabei, aber ich hatte eine Woche Urlaub und wollte nun endlich einen Bus kaufen! Die WG-Situation ging mir langsam auf die Nerven und 2×0,8m sind nun wirklich wenig Platz zum Leben, vor allem im Winter.

Wir fuhren tatsächlich bis Bayern und zurück, hatten aber bei allen Bussen ein schlechtes Bauchgefühl, einer war komplett durchrostet mit Rissen in der B-Säule, bei einem anderen fand ich auf der Probefahrt keinen einzigen Gang, so ausgelutscht war das Getriebe. Der Besitzer musste meist für mich schalten. Die Tour war unglaublich anstrengend, da mein alter Mazda nicht für längere Campingtouren gemacht ist und wir dadurch Hin- und Rückfahrt quasi durchfuhren. Zusätzlich gingen  schon auf der Hinfahrt die Scheibenwischer kaputt, natürlich im strömenden Regen. Von der Nanobeschichtung mit Weichspüler bis hin zur mechanischen Bedienung mittels Wäscheleine durch Tim probierten wir alles aus. Nervenaufreibend und zeitraubend war dieses Problem allemal.

Relativ frustriert,  völlig übermüdet und 300 Euro ärmer kamen wir nach 2000 „sinnlosen“ Kilometern an einem kalten Mittwochmorgen um 6 Uhr wieder in unserer WG in Kiel an. Nach ein paar Stunden Schlaf checkte ich, rein aus Gewohnheit, um 11 Uhr die üblichen Autoseiten, und da sah ich ihn. Einen grünen T1 Bus mit 98 PS. 200.000 Kilometer gelaufen, 2te Hand, 1,5 Jahre TÜV, Hochdach, Hinterachsdifferential und Vollholzausbau mit allem Schnickschnack. Sogar gerade so im Budget lag das gute Stück. Er war perfekt! Sofort schrieb ich aufgeregt eine Mail, dass ich den Bus haben wolle und ob man ihn mir reservieren könne und bat um einen Rückruf.Die ernüchternde Antwort kam prompt: Der Bus kann nicht reserviert werden. Nach einigem warten kam dann doch der ersehnte Rückruf. Ich erklärte, dass wir aus Kiel kämen, ein junges Pärchen mit dem Traum einer Weltreise sind und telefonierte fast eine Stunde angeregt mit dem Besitzer über Reiseziele und Wildcampen. Danach konnte ich den Bus endlich für mich reservieren, bis Freitagmittag sollten wir Zeit haben (zu dem Zeitpunkt ca. 48 Stunden).

Nun kam der schwerste Teil: Tim musste überzeugt werden. Er wurde gerade wach, hatte schlechte Laune aufgrund der langen Fahrt und dem ausbleibenden Erfolg meiner überstürzten Planung. Erstmal einen Kaffee für den Mann dachte ich, dann vielleicht ein kleine Frühstück? Innerlich platze ich fast vor Aufregung ob er den Bus wohl genauso toll finden würde wie ich. Ein Vorteil: seine Lieblingsfarbe ist grün.

Nach einer Stunde Frühstücks-Schonzeit konnte ich nicht mehr an mich halten und zeigte ihm das Inserat. Erst sagte er gar nichts  und ich saß wie auf heißen Kohlen. Dann die entscheidende Frage „Wo steht der?“, rate mal sage ich. „Rosenheim ist bei München oder?“ „Jip“. Schweigen. „Wann fahren wir los?“ und da wird mir wiedermal klar, dass ich mir genau den richtigen Makker ausgesucht habe.

Knapp 24 Stunden nach unserer Ankunft in Kiel machten wir uns wieder auf den Weg, der alte Mazda sollte in Westdeutschland bei meinem Vater stehen bleiben, mit seinem Auto ging es weiter bis Rosenheim bei München. Kurz vor dem Besichtigungstermin verließ mich aller Mut. Durch die Strapazen und die Übermüdung ging ich fest davon aus, dass auch dieser Bus sich als Reinfall entpuppen würde.

Um 17 Uhr verließen wir als stolze und überglückliche Besitzer eines top gepflegten Mercedes T1 Busses (und noch völlig ohne die nötigen Fahrkünste) den kleinen Hof des Professoren-Ehepaars.

Die Geschichte des Dicken

Die Stadt Freiburg bestellte im Jahr 1992 33 Mercedes-Kastenwägen für den Katastrophenschutz. Es wurden allerdings dann doch nur 32 Kastenwägen benötigt, unser Bus blieb übrig und stand ein Jahr lang nur herum. Dann kaufte ihn ein Professoren-Ehepaar aus dem Münchener Umland und verpasste ihm eine hochwertige Reiseausstattung. In der Schweiz bekam er ein niegelnagelneuesHochdach und einen professionellen Schiffs-Vollholzausbau mit Kühlschrank, 3 Kochflammen-Herd, Warmwasserboiler und Truma-Heizung auf Gasversorgungsbasis sowie einem Wasserversorgungssystem mit 150l Frischwasser. Außerdem wurden eine Hinterachse mit Differentialsperre, ein Turbolader mit 0,5 bar Ladedruck, sowie verstärkte Blattfedern nachgerüstet.  Leider wurde der Bus auch mit der Rolle dunkel grün lackiert, dabei aber weder abgeklebt, noch  überall entrostet, wodurch jeder Mechaniker oder gar Lackierer die Hände über dem Kopf zusammenschlägt beim Anblick des Dicken. Zweckdienlich war die Lackierung aber, denn das originale Katastrophenschutz-Orange ist beim Wildcampen doch sehr auffällig. Außerdem sind die Achsschenkelbolzen ausgeschlagen (teuer, aber ein bekanntes Problem bei Mercedes), der Lüftermotor und das Sperrdifferential funktionieren nicht.

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